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15.04.2016

Ein Leben mit Parkinson birgt einige Herausforderungen

Betroffene erhalten Antworten auf ihre Fragen beim Parkinson-Forum des Krankenhauses Lindenbrunn
 
Erstmalig organisiert das Krankenhaus Lindenbrunn am 09. April 2016 im Weserbergland Zentrum in Hameln unter der Führung von Prof. Dr. med. Christian Winkler PhD, Chefarzt der Neurologie, ein Forum für Patienten und Angehörige zum Thema "Leben mit Parkinson". Prof. Winkler freut sich über das große Interesse an der Veranstaltung und die positiven Rückmeldungen der Betroffenen. Rund 200 Patienten und Angehörige sind der Einladung gefolgt.

Wie wichtig es ist, den Parkinson-Patienten und deren Angehörigen einen Raum zum Erfahrungsaustausch zu geben, wird schnell klar. Viele interessierte Teilnehmer nutzen die Möglichkeit, persönlich mit den Experten zuins Gespräch zu kommen. In den vielen persönlichen Gesprächen während der Pausen ist auch Zeit über die persönlichen, alltäglichen Herausforderungen zu sprechen.

Eröffnet wird das Forum durch den Geschäftsführer des Krankenhauses, Herrn Frank Schmidt, der den Trägerverein und den Lindenbrunn in Kürze vorstellt. Anschließend zeigt Friedhelm Albrecht, Pflegedirektor und Prokurist, auf, wie sich das Krankenhaus Lindenbrunn zur Parkinson-Klinik entwickelt hat.

Prof. Dr. med. Per Odin, in Lund (Schweden) als Wissenschaftler und Universitätsprofessor und Bremerhaven als Chefarzt der Neurologie tätig, stellt gleich zu Beginn klar, dass ein unmittelbarerer Therapiestart nach der Diagnose unverzichtbar sei. Eine Studie zeige, dass Patienten, die diesen Rat befolgen, eine stabile Lebensqualität erreichen können. Überaus interessiert folgen die Teilnehmer auch den Ausführungen über die Gentherapie. Eine Behandlung ohne Medikamente, sondern mithilfe einer Kopie des funktionierenden Gens für einen Wachstumsfaktor, befindet sich gerade in einem frühen Stadium der Forschung. "Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass es möglich sein kann, das Absterben von Nervenzellen zu verhindern. Parkinson-Symptome könnten damit verzögert und aufgehalten werden." Eines solle man als Parkinson-Patient trotz aller Therapien aber weiterhin: Aktiv leben.

Ein wichtiges Thema ist auch die Sturzprophylaxe, wie Therapieverantwortlicher Gerrit Hirsch an diesem Vormittag erklärt. "Beobachten Sie sich mal, wenn Sie eine Treppe hinunter gehen. Die meisten von Ihnen nutzen den Handlauf, auch wenn Sie keine Bewegungsstörung haben. Das passiert unterbewusst und ist ein gutes Beispiel für Sturzprophylaxe im Alltag", so Hirsch.

Als BIG-Therapeutin zeigt Julia Stegemann beispielhafte Übungen, die speziell für Parkinson-Patienten konzipiert sind und animiert die Teilnehmer diese einmal auszuprobieren. Und der ganze Saal macht mit. Die praktischen Übungen finden bei den Betroffenen großen Anklang.

Nach der Mittagspause beschreibt Magdalene Kaminski, Bundesvorsitzende der Deutschen Parkinson Vereinigung e. V. (DPV), die Wichtigkeit des jährlichen Welt-Parkinson-Tages. An diesem Tag gibt es weltweit zahlreiche Aktionen von der Telefon-Hotline bis zu Aufklärungstagen, die der Öffentlichkeit die Berührungsängste mit der Krankheit nehmen soll. Gleichzeitig erhalten Betroffene wichtige Informationen zu neuesten Forschungsergebnissen und können sich untereinander austauschen. Die DPV selbst unterstützte mittlerweile knapp 22.000 an Parkinson erkrankte Menschen und schaffe Aufmerksamkeit für die Krankheit in der Gesellschaft.

Vanessa Wildhage, Leitung der ergotherapeutischen Abteilung im Krankenhaus Lindenbrunn, stellt den Teilnehmern das Finger-Tai Chi vor. Kaum einer im Saal kennt diese Form der Ergotherapie. Die sich wiederholenden Übungen dienen u.a. der Verbesserung der Sensibilität sowie der Motorik in den Fingern und Fingergelenken und tragen gleichzeitig zur Entspannung bei. Einige Fingerübungen gibt Wildhage den Teilnehmern mit auf den Weg.

Der Therapie von Schluckstörungen widmet sich Hendrik Dreißig, medizinischer Sprachheilpädagoge und Leiter des Dysphagiezentrums im Lindenbrunn. Neben der klinischen Untersuchung und Anamnesestellung zur Untersuchung einer Schluckstörung, werden auch bildgebende Verfahren wie die Videofluoroskopie (Röntgen) und FEES (Endoskopie) angewendet. Hierbei lässt sich der Weg der Nahrung optimal verfolgen und eine Schluckstörung feststellen.

Welche nicht-motorischen Beschwerden bei der Parkinson-Erkrankung gibt es? Diese Frage stellt Prof. Dr. med. Christian Winkler PhD, neurologischer Chefarzt im Krankenhaus Lindenbrunn, in seinem Vortrag. Viele wissen nicht, dass auch Depressionen, Halluzinationen, Demenz und Blutdruckregulationsstörungen zu den Symptomen bei Parkinson-Erkrankten zählen. Nicht alle Symptome treten bei jedem Betroffenen auf, als behandelnder Arzt muss man sich individuell mit jedem Fall beschäftigen. "Es gibt keine Schubladen, aus denen man die passende Therapie holen kann", so Winkler. Er ermutigt die Teilnehmer vor den Arztbesuchen ihre Beschwerden zu notieren und diese zu bewerten. Welche Beschwerden stehen derzeit im Vordergrund? Welche Beschwerden haben einen Einfluss auf die Lebensqualität?

Die Mischung aus Informationen und praktischen Inhalten sowie der Möglichkeit, einen Nachmittag lang mit Parkinson-Experten ins Gespräch kommen zu können, ist gut angenommen worden. "Wir überlegen eine wiederkehrende Veranstaltung daraus zu machen", zieht Winkler Resümee.









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