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3. Demografie in Niedersachsen

3.1. Altersstruktur der Bevölkerung im Bundesland Niedersachsen

"Die Alten laufen den Babys mehr und mehr davon. Doppelt so viele 60-jährige wie Neugeborene - Deutsche Bevölkerung schrumpft bis 2050 auf rund 70 Millionen", so die Überschrift eines Artikels des Deutschen Depeschen-Dienstes vom November 2006 . In dem Artikel werden Zahlen zur deutschen Bevölkerungsentwicklung, den Geburten und dem Altenquotienten, definiert als Quotient aus Anteil der 60-, bzw. 65-jährigen und Älteren und 100 Personen im Alter von 20 bis 60 Jahren, bzw. bis 65 Jahren gegenübergestellt:

2005 2010 2020 2030 2040 2050
Bevölkerung in Deutschland (in Mio.) 82,4 81,9 80,1 77,2 73,4 68,7
Altenquotient 60 Jahre und älter 45,2 47,4 58,2 78,4 83,5 90,8
Altenquotient 65 Jahre und Älter 31,7 33,6 38,7 52,2 61,4 64,3

Diese Zahlen belegen eindrücklich, dass sowohl der Altenquotient der "60 und Älteren", wie auch der der "65 und Älteren" sich in den nächsten 45 Jahren verdoppeln wird. Dies bedeutet, dass auf 100 Personen im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren schon heute 32 und 2050 sogar 64 ältere Men-schen entfallen werden. Diese Zahlen treffen jedoch nicht nur für die Bundesrepublik insgesamt, sondern analog auch für das Bundesland Niedersachsen zu. Bei einer Einwohnerzahl von 7,956 Mio. im Jahre 2001 waren 17,3 % über 65 Jahre alt; 2004 war es bei 8,001 Mio. Einwohnern bereits ein Anteil von 18,8 % über 65-Jährigen. Ursache für diese "Überalterung" ist zum einen die Rückläu-figkeit der Geburten, zum anderen die Zunahme der Lebenserwartung. Wie das Niedersächsische Landesamt für Statistik mitteilt, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Sterbetafel 2003/5 für einen neugeborenen Jungen 76 und für ein Mädchen 81,7 Jahre. In der vorhergehenden Sterbetafel 2000/2 waren es 75,4, bzw. 81,2 Jahre. Anfang der 60er Jahre betrug sie durchschnittlich 67,7 Jahre für Jungen und 72,8 Jahre für Mädchen, damit hat die Lebenserwartung Neugeborener um mehr als 8 Jahre seit 1960 zugenommen. Aber nicht nur die durchschnittliche Lebenserwartung der Neugeborenen, sondern auch für jedes bereits erreichte Alter ist die ermittelte "fernere durchschnittliche Lebenserwartung" gestiegen. So hat ein 73-jähriger Mann eine fernere durchschnittliche Lebenserwartung von 11,1 Jahren und eine 73-jährige Frau von 13,5 Jahren. Im Vergleich zu den übrigen Bundesländern liegt Niedersachsen damit im Mittelfeld.

Tab. 3 Entwicklung in den niedersächsischen Landkreisen
Landkreises
Niedersachsens
Anteil an der
Gesamtbevölkerung
Altersgruppe 65 plus
Absolutzahlen Veränderung:
2015 gegenüber 2005
31.12.05 31.12.15
Ammerland 4,9 18,6 22,3 3,7
Aurich 4,8 18,8 22,5 3,7
Braunschweig (Stadt) 4,0 20,0 21,1 1,1
Celle 4,7 20,1 23,4 3,0
Cloppenburg 6,0 15,5 17,0 1,5
Cuxhaven 4,3 21,5 25,5 4,0
Delmenhorst (Stadt) 4,5 19,2 23,5 4,3
Diepholz 4,5 19,3 22,2 2,9
Emden (Stadt) 4,4 19,4 21,4 1,9
Emsland 5,2 16,5 19,5 3,0
Friesland 4,3 20,6 25,6 5,0
Gifhorn 4,9 16,7 19,7 3,0
Göttingen 4,1 17,9 19,8 1,9
Goslar 3,5 24,7 27,3 2,6
Grafschaft Bentheim 5,0 18,2 19,7 1,5
Hameln ? Pyrmont 4,1 23,0 25,0 2,0
Hannover (Region) 4,3 19,8 22,0 2,2
Harburg 4,7 18,6 23,5 4,9
Helmstedt 3,8 21,5 23,9 2,4
Hildesheim 4,3 20,9 23,6 2,7
Holzminden 4,1 23,6 26,5 2,9
Leer 4,9 18,3 21,4 3,1
Lüchow-Dannenberg 4,2 23,9 27,2 3,3
Lüneburg 4,7 17,7 19,0 1,5
Nienburg 4,6 19,9 21,7 1,8
Nordheim 4,0 22,5 24,7 2,2
Oldenburg (Land) 4,9 17,4 21,3 3,9
Oldenburg (Stadt) 4,3 17,5 19,3 1,8
Osterholz 4,5 18,7 23,4 4,7
Osnabrück (Land) 5,1 17,9 20,2 2,3
Osnabrück (Stadt) 4,0 19,3 20,1 0,8
Osterode am Harz 3,7 24,7 28,0 3,3
Peine 4,7 19,4 21,9 2,5
Rotenburg 5,1 17,8 20,5 2,7
Schaumburg 4,2 21,5 24,2 2,7
Salzgitter (Stadt) 4,2 21,8 25,6 3,8
Soltau ? Fallingbostel 4,6 19,6 21,8 2,2
Stade 4,9 17,7 21,6 3,9
Uelzen 4,2 22,9 24,7 1,8
Vechta 5,8 14,7 16,2 1,5
Verden 4,7 17,9 22,4 4,5
Wilhelmshaven (Stadt) 3,6 22,6 25,6 3,0
Wittmund 4,8 19,2 23,8 4,6
Wolfenbüttel 4,3 20,1 23,8 3,7
Wolfsburg (Stadt) 4,0 22,4 24,9 2,5
Wesermarsch 4,5 20,0 23,0 3,0

3.2. Der gesunde ältere Mensch

Die meisten älteren, über 65-jährigen Menschen haben keine oder kaum gesundheitliche Einschränkungen. Sie gestalten ihren privaten Lebensbereich selbstständig, beteiligen sich vielfach engagiert am öffentlichen Leben und sind harmonisch in soziale Strukturen eingebettet. Das Alter ist also per se keine Krankheit, aber Älterwerden ist verbunden mit einer Abnahme der Anpassungsfähigkeit an Umwelteinflüsse. Das heißt, es kommt zu einer fortschreitenden Anhäufung von schädlichen Veränderungen, die mit der stets zunehmenden Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und schließlich dem Tod zusammenhängen oder dafür verantwortlich sind.

In einer Studie im Auftrag der Robert Bosch Stiftung wurden ältere Menschen ab 70 Jahre bis hin zu Hochaltrigen, d.h. über 95-jährigen, bezogen auf ihre körperlichen Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltages untersucht. Hierbei zeigte sich, dass mit zunehmendem Lebensalter die Grund-fertigkeiten der Mobilität und Selbstständigkeit sowie die kognitiven Fähigkeiten abnehmen, ohne dass dies Krankheitswert besitzt, jedoch zunehmende Vulnerabilität mit sich bringt. Zusammen mit eintretenden Krankheiten, insbesondere wenn diese mit bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen einhergehen, drohen rasch Pflegebedürftigkeit oder gar Pflegeabhängigkeit.

Einer Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes vom April 2005 ist zu entnehmen, dass 2003 ca. 2,08 Millionen Pflegebedürftige gemäß SGB XI in Deutschland lebten. 81 % davon waren über 65 und 32 % sogar über 85 Jahre alt. Der Frauenanteil betrug 68 %. Mehr als zwei Drittel (69 %) der Pflegebedürftigen wurden im häuslichen Umfeld betreut. Hiervon erhielten 987.000 Patienten Pflegegeld und 450.000 Patienten wurden teils oder vollständig durch ambulante Pflegedienste betreut.

Legt man nun die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung zugrunde und beachtet gleichzeitig die steigende Lebenserwartung wie die Tendenz zu Single-Haushalten, so muss von einem deutlichen Rückgang der "Fürsorgereserve", d.h. den Familien, die pflegebedürftige Ältere betreuen können, ausge-gangen werden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass es einer zunehmenden Professionalisierung und eines Ausbaus qualifizierter Angebote der Pflege und medizinischen Versorgung hilfsbedürftiger Älterer und hochaltriger Menschen bedarf, um ein Leben in Würde auch bei Pflegebedürftigkeit, dro-hender sozialer Isolation sowie zunehmender Singularisierung in Zukunft sicher zu stellen.

Ferner kommen im Flächenstaat Niedersachsen mit seinen sehr unterschiedlichen urbanen Gegebenheiten weitere Merkmale zum Tragen, die einer loko-regional unterschiedlichen Ausgestaltung der medizinischen Infrastruktur bedürfen, denn sowohl die Angebotsvielfalt wie auch deren Erreichbarkeit - Stichwort "öffentlicher Nahverkehr" in ländlichen Regionen - sind für ältere Menschen abhängig vom Wohnort. Ferner wirken sich die abnehmende Mobilität im Alter und Einbußen in der sozialen Integrität auf die Erreichbarkeit aus.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Mehrzahl älterer Menschen bis in höhere Lebensabschnitte keine oder wenig gravierende gesundheitliche Einschränkungen aufweist, stellt die Versorgung alter, insbesondere, kranker und pflegebedürftiger Menschen eine "humane Gesellschaft" auf eine ernste Bewährungsprobe, zudem unter zunehmenden finanziellen Begrenzungen aufgrund der Budgetknappheit in der Gesundheitsversorgung seitens der Kostenträger. Gerade dieser langfristig zu beachtende Aspekt der Kostenentwicklung für medizinische und pflegerische Dienstleistungen ist eine Herausforderung für die Sozialpolitik der Zukunft.

Für einen Flächenstaat wie Niedersachsen sind daher loko-regional organisierte, fachkundig geleitete, auf Kooperation der Anbieter basierende, vernetzte und durchgängig erreichbare Versorgungsstrukturen im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich zwingend zu fordern, um so eine geriatrische, medizinisch wie fachlich kompetente, Ressourcen schonende, umfassende Versorgung mit den Kernelementen der Prävention im Alter, Akutmedizin (hausärztlich, Krankenhaus), Rehabilitation (ambulant, teilstationär, stationär), Pflege (ambulant, institutionalisiert) und Palliation (ambulant, stationär) auch mittelfristig gewährleisten bzw. sicherstellen zu können.




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