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5. Geriatrische Medizin

5.1. Aktuelle Definition der Geriatrie

Konsensus der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG), der Bundesarbeitsgemeinschaft Klinisch-Geriatrischer Einrichtungen (BAG Geriatrie), des Bundesverbandes Deutscher Internisten (BDI), Sektion Geriatrie, und zugleich Diskussionsgrundlage der Europäischen Fachärztevereinigung, Sektion Geriatrie, ist:

  • Die Geriatrie als medizinische Disziplin führt akutmedizinische, frührehabilitationsmedizinische und rehabilitationsmedizinische Behandlungen für geriatrische Patienten durch.
  • Die Geriatrie geht deshalb zumeist über die reine Organmedizin hinaus und erbringt zusätzliche Leistungen vor allem im Bereich der multidisziplinären, ICF- und ICD? orientierten Diagnostik und funktionellen Therapie sowie im Bereich der Prävention und der Palliation.

Entsprechend den europäischen Empfehlungen besteht die Forderung, Geriatrie bundesweit in die ärztliche Weiterbildungsordnung als Schwerpunkt mit einer Mindestdauer der spezifischen Weiterbildung von 36 Monaten zu etablieren.

5.2. Definition des geriatrischen Patienten

Konsensus der DGG, der DGGG, der BAG Geriatrie , des BDI, Sektion Geriatrie, und zugleich Diskussionsgrundlage der Europäischen Fachärztevereinigung, Sektion Geriatrie, ist:

  • Ein geriatrischer Patient ist definiert durch die "Geriatrietypische Multimorbidität" und
  • höheres Lebensalter (überwiegend 70 Jahre oder älter),
  • oder durch "Alter 80+" ("oldest old") auf Grund der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität, z.B. des Auftretens von Komplikationen und Folgeerkrankungen, der Gefahr der Chronifizierung sowie des erhöhten Risikos eines Verlustes der Autonomie mit Verschlechterung des Selbsthilfestatus.

Die geriatrietypische Multimorbidität ist hierbei vorrangig vor dem kalendarischen Alter zu sehen. Sie ist in zahlreichen Publikationen beschrieben und beinhaltet folgende Merkmale:

  • Immobilität, Sturzneigung und Schwindel,
  • kognitive Defizite, Depression, Angststörung,
  • Inkontinenz (Harninkontinenz, selten Stuhlinkontinenz),
  • Dekubitalulcera,
  • Fehl- und Mangelernährung,
  • Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt,
  • chronische Schmerzen,
  • Sensibilitätsstörungen,
  • herabgesetzte körperliche Belastbarkeit/Gebrechlichkeit,
  • starke Sehbehinderung, ausgeprägte Schwerhörigkeit,
  • rezidivierende Infektionen, verminderte Immunkompetenz,
  • Mehrfachmedikation,
  • herabgesetzter Medikamententoleranz,
  • häufige Krankenhausbehandlung (Drehtüreffekt).

Geriatrische Patienten zeichnen sich somit neben dem höheren Lebensalter durch eine jeweils individuell zu betrachtende Problemkonstellation aus, wobei die physiologischen Veränderungen des geal-terten Organismus eine fundamentale Rolle spielen, z.B. bezüglich veränderter Zusammensetzung von Muskelmasse, Anteil von Körperfett und Wasser. Dies hat Auswirkungen auf die Homöostase, die Stoffwechselprozesse, die Arzneimittelwirkungen und deren Interaktionen. Ein älterer Patient wird daher immer dann zu einem geriatrischen Patienten, wenn Erkrankungen mit Schädigungen (impairment) einhergehen, aus denen Fähigkeitsstörungen (functioning) und soziale Beeinträchtigung (participation) resultieren. Mit anderen Worten: bei Erkrankung drohen stets Verlust von Alltagskompetenz und Selbstständigkeit im sozioökonomischen Kontext. Der ältere Patient weist darüber hinaus als weitere ihn kennzeichnende Eigenschaften eine oft unspezifische oder fehlende Symptomatik und einen protrahierten Krankheitsverlauf mit verzögerter Rekonvaleszenz auf.

5.3. Versorgungsstrukturen für ältere Patienten

Der geriatrische Patient bedarf je nach individueller gesundheitlicher Situation eine auf seine Bedürfnisse und Erfordernisse zugeschnittene, qualifizierte medizinische Versorgung. Nachfolgend sind all jene Sektoren aufgezeigt, die zu einem solchen "Netzwerk" gehören bzw. sinnvoller Weise dazu gehören sollten:

    Ambulanter Sektor
  • Haus- und Fachärztliche Versorgung
  • Ambulante pflegerische Versorgung und Tages- / Nachtpflege
  • Kurzzeit- und Verhinderungspflege
  • Qualitätszirkel "Geriatrie"
  • Mobile geriatrische Rehabilitation
  • Ambulante geriatrische Rehabilitation (AGR) gemäß §40 SGB V
  • Strukturierte ambulante geriatrische Versorgung / Prävention / Palliation
  • Ambulantes Hospiz
    Stationärer Sektor
  • Akutgeriatrie inklusive geriatrischer Frührehabilitation und Tagesklinik gemäß §39 SGB V
  • Palliative Care (Palliativstation / Palliativbereich)
  • Geriatrische Rehabilitation mit angeschlossener geriatrischer Tagesklinik
  • Langzeitpflege
  • Stationäres Hospiz
Integrierte Versorgung
Aus-, Fort- und Weiterbildung, Etablierung in Forschung und Lehre

5.4. Das multiprofessionelle geriatrische Team

Die Umsetzung geriatrischer Konzepte - unabhängig davon, ob es sich um ambulante, stationäre, akutgeriatrische oder geriatrisch-rehabilitative Versorgungsformen handelt - erfolgt immer prozess-orientiert in multiprofessioneller Teamarbeit unter ärztlicher Leitung und beinhaltet die folgenden Professionen:

Ärztlicher Dienst
Pflegerischer Dienst
    Therapeutische und Psycho-Soziale Dienste:
  • Sozialdienst
  • (Neuro)-Psychologie
  • Physiotherapie (Krankengymnastik und physikalische Therapie)
  • Ergotherapie
  • Logopädie
    Ergänzende Dienste:
  • Ernährungsberatung
  • Seelsorge
  • Ärztlicher Konsiliardienst
  • Orthopädietechnik
  • Hilfsmittelversorgung
Aus-, Fort- und Weiterbildung, sowie Forschung und Lehre

Die enge Zusammenarbeit mit Angehörigen, ambulant betreuenden Ärzten und Therapeuten sowie ambulanten Pflegediensten und Einrichtungen der stationären Pflege ist in der Geriatrie von beson-derer Bedeutung und von daher fester Bestandteil der regionalen Konzeption einer umfassenden institutionsübergreifenden Versorgung.




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