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Bei uns liegen Sie richtig!

Eine Anleitung zur richtigen Lagerung von halbseitengelähmten Patienten


Bei Vorliegen einer Halbseitenlähmung kann die Einhaltung bestimmter Prinzipien bei der Lagerung Erleichterung und Unterstützung bieten. Hierbei ist es unser Ziel, Komplikationen zu vermeiden und möglichst viele Anreize zu geben, damit die Lähmung so weit wie möglich kompensiert wird und alte Fähigkeiten wieder erlernt werden können.

Wir stellen Ihnen hier die wesentlichen Rahmenbedingungen vor, die bei der Lagerung von halbseitengelähmten Patienten im Krankenhaus Lindenbrunn angewendet werden. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass von dieser Richtlinie unter bestimmten Voraussetzungen abgewichen werden muss, wenn andere wichtige Gründe hierfür sprechen.

Grundsätzlich gilt:

  • Überstreckung des Kniegelenkes vermeiden.
  • Beim Transfer stützt der gesunde Arm den gelähmten Arm am Handgelenk an der Kleinfingerseite. Der Daumen der gesunden Hand liegt in der Innenfläche der gelähmten Hand.
  • Die von einer Hemiplegie betroffenen Körperteile sind in den Zeichnungen entsprechend markiert.
  • Andere Krankheitsereignisse bedingen u. U. von dieser Richtlinie Abstand zu nehmen oder sie zu modifizieren, z.B. bei bestehender Kreislaufinsuffizienz. Bitte erkundigen Sie sich bei einem Mitarbeiter des therapeutischen Teams.
  • Da der Patient auf der gelähmten Seite evtl. kein Schmerz-/Druckempfinden hat, ist darauf zu achten, dass insbesondere Ellenbogen, Hüfte, Knie, Außenknöchel, Schulter und Ohr in dieser Lage besonders druckgefährdet sind. Es besteht eine Dekubitusgefahr.


Gestaltung des Raumes

Bei Erkrankungen, die mit der Lähmung einer Körperhälfte einhergehen, tritt häufig das Problem auf, dass die Patienten, die geschädigte Seite mehr oder weniger nicht mehr wahrnehmen. Die Patienten haben dadurch die Neigung, Personen, Gegenstände und den Raum auf dieser Seite nicht mehr wahrzunehmen. Förderlich für den Patienten ist eine ständig wiederholte Stimulierung über die geschädigte Seite. Hierzu gehört schon das Drehen des Kopfes und die Wahrnehmung von Personen und Gegenstanden, die sich auf der geschädigten Seite befinden.

Durch die Gestaltung des Zimmers kann dieses Problem vermindert werden. Aus diesem Grund sollten die Gegenstände des Interesses (z.B.: Fernsehapparat) auf der geschädigten Seite stehen, um eine Vielzahl von Anreizen zu geben.

Besucher sollten nach Möglichkeit an der geschädigten Seite des Patienten sitzen, so dass er seinen Kopf zu ihnen wendet und sie beim Zuhören ansieht. Der Nachttisch steht an der geschädigten Seite des Patienten, damit er mit der gesunden Hand über die Körpermittellinie herübergreift, um diese mit einzubeziehen.
Hierbei ist der Patient nicht in ein starres Muster zu verpacken. Die Erhaltung der Fähigkeiten von z.B. Nahrungsaufnahme wird entsprechend mit beachtet.

Rückenlage

Der Rücken sollte nach Möglichkeit gerade und nicht gebeugt sein. Zuerst wird der Oberkörper gerade hingelegt. Das Kopfkissen wird schräg gelegt, so dass ein Kissenzipfel unter der Schulter der gelähmten Seite liegt. Die gelähmte Seite sollte gleich hoch liegen wie die gesunde Seite.

Knie: Gestreckte Lage, aber nicht durchhängen lassen. Bei starker Streckspastik wird das Knie leicht in Beugung unterlagert, z.B. mit einer Knierolle.

Fuß: Evtl. einen hohen Schuh zur Spitzfußprophylaxe anziehen.

Arm: Höher lagern als die Schulter, damit der gelähmte Arm nicht anschwillt und der Lymphabfluß erleichtert wird.

Allgemein gilt: Sehr spastische Patienten nicht in der Rückenlage lagern, weil dadurch die Spastik im Rumpf verstärkt werden kann. (Förderung von "krummer" Körperhaltung.)

Seitenlage allgemein

Der Patient liegt mit gestrecktem Oberkörper parallel zur Bettkante in 90 Grad Seitenlage. Ein Kissen sollte nur dann den Rücken stützen, wenn die Seitenlage nicht selbständig gehalten werden kann.

Seitenlage auf der gelähmten Seite

Bein: Das gelähmte Bein liegt gestreckt in Verlängerung der Wirbelsäule. Das gesunde Bein liegt angewinkelt mit einem Kissen unterlagert (gerade Hüftstellung) vor dem gelähmten Bein. Dieses Kissen hält gleichzeitig das gelähmte Bein in Streckung.

Schulter: Die Schulter der gelähmten Seite wird etwas nach vorne gebracht. Hierzu fasst die Hilfsperson mit der ganzen Hand unter das Schulterblatt und zieht dieses vorsichtig nach vorn, während die andere Hand gleichzeitig auf das Brustbein drückt.

Arm: Der gelähmte Oberarm sollte in Außendrehung vom Körper weg im Winkel von ca. 90 Grad gelagert werden. Der Unterarm kann gestreckt sein oder zum Kopf des Patienten zeigen. Der Handrücken liegt auf.

Kopf: Den Kopf nicht nach hinten überstrecken. Das Kopfkissen unterstützt nur den Kopf.

Seitenlage auf der gesunden Seite

Bein:  Das gesunde Bein liegt gestreckt in Verlängerung des Oberkörpers. Das gelähmte Bein wird angewinkelt und incl. Fuß mit einem Kissen unterlagert. Das auf dem Kissen angewinkelte Bein bildet eine Linie auf der Höhe des äußeren Beckenkammes.

Arm: Der Oberarm der geschädigten Seite, wird vom Schultergelenk aus nach vorne gestreckt. Der Unterarm liegt auf dem Kissen. Hand und Finger sollten geöffnet sein. Zur Verbesserung des Lymphabflusses wird der Arm auf der Höhe der Schulter gelagert.

Oberkörper: Dreht der Oberkörper sich zu weit nach vorn, wird ein Kissen zur Stabilisierung der Seitenlage vor den Bauch gelegt. Dieses Kissen kann auch ein wenig unter die Taille gesteckt werden, um damit die gelähmte Seite zu strecken. Das gelähmte Bein nicht zu hoch unterlagen und nicht zu weit anbeugen, da es sonst zu einer Beckenverschiebung kommen kann.

Hinweis: In dieser Lage sind die Möglichkeiten des Patienten stark eingeschränkt (Sehen, Hören, Eigenbeweglichkeit). Eine besondere Unterstützung ist bei Bedarf anzubieten.

Sitzen im Bett

Der Patient sitzt mit gerade aufgerichtetem Oberkörper im Bett. Hierzu wird das Rückenteil auf 90 Grad hochgestellt. Der Kopf des Patienten wird nach Möglichkeit nicht abgestützt, damit der Patient lernt, ihn selbst zu halten und zu kontrollieren.

Das Gewicht des Patienten ist gleichmäßig auf beide Gesäßhälften verteilt. Ein Betttisch wird vor dem Patienten über das Bett geschoben. Der Bettisch unterstützt die Arme und die Hände und hilft dem Patienten aufrecht zu bleiben. Bei vorliegender Spastik im Bein ist evtl. eine Knierolle zu verwenden oder das Fußteil leicht abzusenken.

Transfer

Die Hilfsperson steht vor dem Patienten. Die Arme des Patienten sind in Transferrichtung seitlich gestreckt. Das gelähmte Knie oder beide Knie des Patienten werden durch die Knie der Hilfsperson fixiert. Der Patient wird unter den Armen hindurch am Rücken gefasst. Der Oberkörper des Patienten wird soweit nach vorn gebeugt, bis sein Schwerpunkt über den Füßen liegt. Der Patient drückt sich jetzt so weit wie möglich selbst ab, gleichzeitig unterstützt die Hilfsperson das Anheben des Gesäßes und schwenkt den Patienten über seine geschägigte Seite, ohne dass der Patient zum vollen aufrechten Stehen kommt. Der gesamte Bewegungsablauf erfolgt zügig.

Der Patient fixiert seine Hände. Diese werden mit dem Oberkörper weit nach vorn gebracht. Ohne dass der Patient ganz zum Stehen kommt, hebt er sein Gesäß an, schwenkt es über die geschädigte Seite und setzt sich auf den Stuhl oder auf die Bettkante.


Vom Liegen zum Sitzen

Der Patient richtet sich stets über seine geschädigte Seite vom Liegen zum Sitzen auf. Dadurch wird die Aufmerksamkeit für diese Seite gefördert und die Spastizität durch Dehnung der Muskulatur gehemmt.

Der Patient wird im Liegen mit gebeugten Knien auf die geschädigte Seite gedreht. Die Hand der Hilfsperson geht unter die Achsel der geschädigten Seite bis auf das Schulterblatt. Mit der anderen Hand führt die Hilfsperson die Beine des Patienten über den Bettrand und bringt den Patienten zum Sitzen, indem das Körpergewicht des Patienten seitlich verlagert wird. Damit der Patient seine Füße flach auf den Boden stellen kann, verlagert der Patient sein Gewicht von einer Seite zur anderen und kommt mit einer Art Gehbewegung des Gesäßes ("Schinkenrutschen") nach vorne.

Haltung im Sitzen

Der Patient sitzt in einem Stuhl mit Armlehnen und einer geraden Rückenlehne. Der Stuhl muss so hoch sein, dass Hüft- und Kniegelenk etwa im rechten Winkel gebeugt sind und seine Füße flach auf dem Boden bzw. auf den Fußstützen stehen. Liegen seine Hände vor ihm auf dem Tisch, dann ist seine Körperhaltung symmetrischer und aufrechter.

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