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Neurologische Frührehabilitation

Nach dem Phasenmodell der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) entspricht Phase B der Neurologischen Frührehabilitation, in der die Patienten schwerst erkrankt sind. Auch wenn hier die Akutbehandlung bereits abgeschlossen sein soll, so kann während dieser Phase noch häufig eine akutmedizinische Behandlungsbedürftigkeit bestehen. Unter Frührehabilitation versteht man eine integrierte, den Patienten frühzeitig und nahtlos begleitende interdisziplinäre Krankenhausbehandlung. Die Schwerpunkte wechseln, je nach individuellen Erfordernissen und Möglichkeiten des Patienten.

Behandlungsschwerpunkte

Patienten in der Neurologischen Frührehabilitation haben häufig schwere Bewusstseinsstörungen, manchmal sind sie vollständig gelähmt und mit einer Atemhilfe (Trachealkanüle) versorgt. Die Akutbehandlung ist allerdings abgeschlossen. Die Patienten können sich auch im Wachkoma befinden. Neben der ärztlichen Betreuung steht eine sehr umfangreiche therapeutische Betreuung im Vordergrund, unterstützt durch eine neurologisch-fachspezifische Pflege. Auf unseren neurologischen Stationen 4 bis 8 werden auch unter den Bedingungen der Intensivüberwachung schwerstkranke Patienten behandelt.

In der Neurologischen Frührehabilitation der Phase B erfolgt die Behandlung nach den Vorgaben der BAR für Schwerst-Schädelhirngeschädigte bei folgenden Erkrankungen:

  • Alle Formen der zerebralen Durchblutungsstörungen (z. B. Schlaganfälle, Hirnblutungen)
  • Hypoxische Hirnschäden (inkl. Wachkoma)
  • Schweres Schädelhirntrauma
  • Schweres Polytrauma unter Mitbeteiligung von Gehirn, Rückenmark, Nervenplexus und peripheren Nerven
  • Zustand nach neurochirurgischen Eingriffen
  • Bösartige Tumoren
  • Schwere Entzündungen des Gehirns (Meningitis, Enzephalitis)
  • Polyneuropathie z.B. nach langer intensivmedizinischer Behandlung


Viele der neurologischen Patienten leiden neben ihrer neurologischen Grunderkrankung auch an weiteren relevanten Erkrankungen (z. B. Kreislauferkrankungen, metabolische Erkrankungen, Dialysepflichtigkeit, psychische Störungen). All diese Erkrankungen müssen mit behandelt werden. Dies geschieht u.a. auch durch die internistische Kompetenz der Geriatrischen Klinik im Krankenhaus Lindenbrunn.

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Patienten nicht in der neurologischen Frührehabilitation im Krankenhaus Lindenbrunn behandelt werden können. Dies sind:

  • Anhaltende akute Behandlungsbedürftigkeit
  • Invasive Beatmungspflichtigkeit
  • Akute Selbst- oder Fremdgefährdung
  • Verwirrtheitszustände, die eine Umsetzung des Rehabilitationsprogrammes langfristig unmöglich machen


Zielsetzung

Zielsetzung der neurologischen Frührehabilitation ist die Unterstützung und Förderung der spontanen Genesung unter Nutzung der Regenerationsfähigkeit des Nervensystems. Die Reintegration in das persönliche und familiäre Umfeld soll gewährleistet werden. Dabei gilt es auch, Früh- und Spätkomplikationen zu verhindern oder in ihren Auswirkungen möglichst gering zu halten. Dies setzt einen Beginn der Behandlung so früh wie möglich voraus. Im Idealfall werden die Patienten von den Intensivstationen der zuweisenden Krankenhäuser auf die hiesigen Stationen für neurologische Frührehabilitation verlegt.

Bereits in der neurologischen Frührehabilitation der Phase B wird ein therapeutisches Konzept nach dem neurologischen Phasenmodell realisiert. Hierzu gehören:

  • Stabilisierung des körperlichen Zustandes
  • Besserung des Bewusstseinszustandes
  • Anbahnung der Kommunikationsfähigkeit
  • Beginnende Mobilisierung
  • Schmerzlinderung
  • Minderung des Ausmaßes der neurologischen Schädigungen
  • Vermeidung sekundärer Komplikationen
  • Klärung des Rehabilitationspotentials
  • Planung und Einleitung der weiteren Versorgung (Überleitung in Phase C bzw. D, Pflegeanbahnung, etc.)


Die therapeutische Zielerstellung wird gemeinschaftlich durchgeführt (soweit möglich auch unter Einbezug des Patienten oder seiner Angehörigen). Die ärztliche Betreuung ist in mehrere Aufgabenbereiche gegliedert:

  • Anamnese, Befunderhebung und Kontaktaufnahme zu Vorbehandlern
  • Tägliche Visiten
  • Regelmäßige Supervision durch Oberärzte/Chefärzte


Die Therapie und weitere Rehabilitationsplanung gliedert sich in folgende Bereiche:

  • Ergotherapie
  • Neuropsychologie
  • Physiotherapie und Physikalische Therapie
  • Sprachtherapie
  • Sozialberatung


Regelmäßige Teambesprechungen unter Einbeziehung der Pflegekräfte schaffen die Voraussetzungen für ein individuelles Therapiekonzept für jeden Patienten.

Dauer der Neurologischen Frührehabilitation

Die Frührehabilitation endet, wenn ein Zustand zunehmender Belastbarkeit und Fähigkeit zur aktiven Mitarbeit an den Rehabilitationsmaßnahmen erreicht ist. Mit zunehmender Kooperation, Besserung der psychischen Defizite sowie verbesserter Mobilität und Selbstversorgung schließt sich die weiterführende Rehabilitation nahtlos an. Bei ungünstigem Heilungsverlauf oder unzureichendem Rehabilitationspotenzial werden geeignete Pflegeplätze gesucht oder die häusliche Weiterbetreuung durch Angehörige mit Unterstützung ambulanter Rehabilitationsmaßnahmen eingeleitet.

Probeaufnahme

Bei Schwierigkeiten in der Beurteilung und Abschätzung eines realistischen therapeutischen Ansatzes wird im Einzelfall eine sogenannte Probeaufnahme durchgeführt. Dies bedeutet, dass ein Patient ohne ausreichendes Rehabilitationspotential auch in die primärversorgende Klinik zurückverlegt wird.

Personelle und materielle Ausstattung

Im ärztlich geleiteten therapeutischen Team bemühen sich Pflegepersonal, Ergotherapeuten, Neuropsychologen, Physiotherapeuten, Sprachtherapeuten, Pädagogen und Sozialarbeiter um das Wohl der ihnen anvertrauten Patienten. Die Einzeltherapien stehen ganz im Vordergrund. Die Stationen sind räumlich-materiell für die intensivmedizinische Überwachung ausgestattet. Es werden insgesamt 68 Betten zur Neurologischen Frührehabilitation der Phase B vorgehalten.

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